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Adrenal Fatigue – Meine Symptome und Therapie

„Ihre Nebennieren sind erschöpft.“ Das war sie. Die Diagnose, die endlich Licht ins Dunkel brachte, nachdem es mir in den vergangenen Jahren immer schlechter ging, obwohl ich mich so intensiv mit meiner Gesundheit beschäftigte. So viel Zeit und Geld flossen in meine Versuche, endlich Heilung zu finden, doch irgendwie wurde alles nur immer schlimmer.

Meine Symptome und der damit verbundene Leidensdruck führten schließlich dazu, dass ich mich im Juli einer umfassenden Untersuchung bei einem Arzt, der funktionelle Medizin praktiziert, unterzog. Nach etwa einem Monat waren alle Testergebnisse da und endlich hatte ich Gewissheit darüber, was mit mir nicht stimmte und dass ich mir meinen schlechten Zustand nicht eingebildet hatte. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die behaupten, Adrenal Fatigue wäre nicht real. Das sind die Menschen, die es (zum Glück für sie) noch nie am eigenen Körper gespürt haben. Es ist sehr real. Ich möchte denjenigen, die davon betroffen sind, zeigen, dass sie damit nicht allein sind. Und diejenigen, die es nicht kennen, möchte ich ermutigen, sich darüber zu informieren. Ich glaube nämlich, dass es sich in vielen Fällen, in denen Burn-Out diagnostiziert wird, eigentlich um Adrenal Fatigue handelt und dass diese somit gut behandelt werden können!

Potentielle Symptome bei Adrenal Fatigue

  • Ich fühlte mich morgens wie erschlagen. Das ist nicht zu vergleichen mit „ach nee, ich bleib noch liegen, keine Lust, jetzt aufzustehen“ – GAR KEIN Vergleich. Ich wusste nicht, wie ich den Tag bewältigen sollte, fühlte mich völlig erschöpft, irgendwie ohnmächtig, lethargisch und war depressiv verstimmt. Dieses Tief wiederholt sich am Nachmittag meist erneut
  • Kleinste Anstrengungen oder Erledigungen im Alltag verlangten mir extrem viel Kraft ab und hinterher brauchte ich eine lange Phase der Regeneration
  • Ich hatte keine Kraft mehr – selbst moderate Yogastunden konnte ich kaum noch bewältigen, von anstrengenderen Einheiten mal ganz zu schweigen (hello Child’s Pose…)
  • Minimal stressige Situationen = maximale Überforderung. Meine Fähigkeit, mit Stress umzugehen, bewegte sich gen null, dafür stieg meine Anfälligkeit für Stressreaktionen ins Unermessliche.
  • Meine Nächte waren häufig durch Ein- und Durchschlafstörungen geprägt. Sofern ich eine Nacht halbwegs gut geschlafen hatte, fühlte ich mich morgens dennoch nicht erholt
  • Mein Körper verlangte nach Koffein, Salz und Zucker. Generell habe ich in letzter Zeit viel mehr gegessen als sonst; vermutlich, um mein Energieloch irgendwie zu stopfen
  • Meine Haut war und ist eine Katastrophe. Ganz besonders entlang der Kieferknochen zeigten sich Akne und schmerzhafte Entzündungen
  • Fehlende Freude am Leben, fehlende Zuversicht und fehlende Motivation zogen sich durch meinen Alltag
  • Extreme Lichtempfindlichkeit – auch bei bewölktem Himmel konnte ich nicht ohne Sonnenbrille rausgehen
  • Meine Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit ließ stark nach, mein Gehirn war vernebelt, ich konnte nicht mehr klar denken und war häufig konfus

Wer diese Symptome (vordergründig extreme Erschöpfung und Energiemangel) bei sich feststellt, sollte eine ganzheitliche Untersuchung bei einem funktionellen Mediziner in Erwägung ziehen. Der Test, der Aufschluss über den Status meines Cortisols (Tagesprofil) und meiner Neurotransmitter gab, bestätigte, dass ich aus biochemischer Sicht überhaupt keine Energie zur Verfügung haben konnte.


Was ist Adrenal Fatigue?

Adrenal fatigue bezeichnet die Ermüdung der Nebennieren (kleine Drüsen, die wie Kappen auf den Nieren sitzen) und die damit einhergehende unzureichende Produktion von Nebennierenhormonen wie z.B. Cortisol oder Adrenalin. Cortisol ist beispielsweise für die Blutzuckerregulation zuständig – ist zu wenig davon vorhanden, kann den Zellen nicht genügend Energie bereitgestellt werden und wir fühlen uns dauerhaft müde und erschöpft. Durch stressige Situationen schaukelt sich diese Imbalance weiter hoch, da der Körper verzweifelt versucht, unseren Zellen Energie zur Verfügung zu stellen und infolgedessen vermehrt Insulin produziert.

Häufig wird die Nebennierenschwäche durch ständige starke Belastung ausgelöst, die der Körper nicht mehr ausgleichen kann. Solche Stressoren können z.B. belastende private oder schulische/berufliche Situationen sein, psychische Probleme, der Verlust des Jobs, ein Trauerfall, eine vermehrte Zufuhr minderwertiger Nahrungsmittel (zu viele Kalorien bei zu geringer Nährstoffdichte) oder ein generelles Gefühl von Wert- oder Machtlosigkeit und fehlendes Selbstvertrauen.

Leider wird die Erschöpfung der Nebennieren in der Schulmedizin häufig nicht als eigenständiges Krankheitsbild angesehen. Hier kennt man nur die Nebenniereninsuffizenz (Morbus Addison), ein Stadium, in dem die Funktion der Nebennierenrinde gar nicht mehr gegeben ist, was potentiell tödlich sein kann. Standardisierte Blutuntersuchungen sind häufig nur in der Lage, schwere Mängel an Nebenierenhormonen (sprich: die Diagnose einer Insuffizienz) darzulegen. Um also Adrenal Fatigue diagnostizieren zu können, bedarf es spezieller Tests, die leider noch nicht viele Ärzte anbieten. Hier kommt ihr zu einer Liste von Ärzten des IFMS (sortiert nach PLZ), die funktionelle Medizin praktizieren und bei entsprechendem Verdacht höchstwahrscheinlich solche Labortests durchführen lassen.

Wie kann die Nebennierenschwäche behandelt werden?

Bitte beachtet, dass ich nur für mich sprechen kann und dass die Behandlung immer individuell abgestimmt werden sollte! Was aber bei einer Erschöpfung der Nebenieren hilfreich sein kann, ist eine Anpassung der Ernährung. 5-6 kleine, ausgewogene Mahlzeiten sind eher zu empfehlen als 3 große Mahlzeiten. (Intervall-)fasten ist tabu, da hierdurch der Blutzuckerspiegel zu stark abfällt, wodurch die Nebennieren noch mehr Stress erfahren. Koffein (in jeglicher Form, also auch Koffein, welches in geringen Mengen in Schokolade vorkommt), industriell verarbeitete Produkte und eine zuckerreiche Ernährung sind ebenfalls nicht erlaubt. Stattdessen sollte die Ernährung naturbelassen und vollwertig sein – idealerweise stehen viel grünes Blattgemüse, gesunde Fette (Nüsse, Avocado, Kokos) und Proteine (Nüsse, Bohnen, Quinoa, etc) auf dem Speiseplan.

Hilfreich ist außerdem die Einnahme von Adaptogenen wie z.B. Ashwagandha oder Rhodiola, die dem Körper helfen, besser mit Stress umzugehen. In meinem Fall wird die Nebennierenschwäche durch mehrere Nährstoffmängel begleitet, sodass auch Nährstoffe wie Selen und Vitamin A hochdosiert supplementiert werden müssen. Vitamin C ist ebenfalls wichtig für die Funktion der Nebennieren, weshalb auch dieses in hochdosierter Form verordnet wurde.

Die wohl wichtigste Indikation, um Adrenal Fatigue und dessen Symptome in den Griff zu bekommen, ist: Ruhe & Entspannung auf allen Ebenen! Der Körper braucht nun sehr viel Zeit, um zu regenerieren. Insbesondere die Entspannung auf mentaler Ebene ist EXTREM wichtig – das bedeutet, dass beispielsweise der Konsum sozialer Medien deutlich zurückgeschraubt werden sollte. Das Syndrom hat sich über Jahre (vielleicht Jahrzehnte) hinweg aufgebaut – nun muss dem Körper genügend Zeit für die Heilung eingeräumt werden.

Von intensiven Sporteinheiten würde ich abraten. Sport als solcher ist natürlich gesund, aber bei einer vorhandenen Erschöpfung der Nebennieren sollte möglichst jede Form von Stress gemieden werden, und dazu gehört auch das Training. Yin Yoga ist alles, was bei mir zurzeit geht, und das ist okay so! Meditation und Atemtechniken sind sehr kraftvolle Tools, die ebenfalls zur Heilung der Nebennierenschwäche beitragen können.


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Diana

„What you seek is seeking you“ (Rumi)

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